Unser Projekt im Winter 2025/26 drehte sich nicht um ein neu erworbenes Flugzeug, sondern um unsere 2018 erworbene DR 400/180 (Baujahr 1982). Die Remo ist ein bespanntes Holzflugzeug, bei dem die Bespannung langsam nicht mehr schön war. Da eine neue Bespannung sehr kostspielig ist, wurden wir 2024 auf ein Gewinnspiel für eine neue Bespannung im Fliegermagazin in Zusammenarbeit mit der Firma Lanitz Aviation aufmerksam. Also schrieben wir eine Bewerbung, hatten aber kein Glück. Daraufhin bewarben wir uns 2025 noch einmal, und am 09.04.2025 kam der Anruf, dass wir gewonnen hatten! Also schnell ein Team zusammengewürfelt und am 11.04.2025 ging es für Henning Stoffels-Korndorf, Jens-Peter Hofmann und Hendrik Fröhlich zur Preisverleihung auf die Aero nach Friedrichshafen an den Bodensee.

Nach einem langen Tag kamen wir dann mit dem Gutschein zur neuen Bespannung stolz zurück nach Blomberg.

Im Oktober haben wir uns dann zur Zeitplanung und Aufgabenbesprechung versammelt. Der Zeitplan ist sportlich, aber schaffbar. Die Remo muss bis Mitte Januar 2026 für die Bespannung vorbereitet sein und Ende April stellen wir das Flugzeug auf der Aero Friedrichshafen aus.

Los mit unserem Winterprojekt ging es Anfang November. Zuerst musste das Flugzeug komplett demontiert werden. Dank der mithilfe vieler Mitglieder (unter andern auf viele nicht-Remo-Piloten), wurde der Flieger an zwei Samstagen und einem Montag komplett demontiert. Es wurden alle Ruder, Sitze, Tanks, Fahrwerk und der Motor inkl. Propeller demontiert und alles mittels Fotos dokumentiert. Nach kurzem Kampf wurde der Rumpf vom Flügel getrennt.

In der Werkstatt hieß es dann alte Bespannung entfernen. Alle Ruder, der Flügel und der Rumpf wurden „ausgezogen“. Unter der Bespannung fanden wir dann eine sehr gute Grundsubstanz vor. Bis auf ein paar kleine stellen war alles heile. Die Bespannung am Rumpf erwies sich als sehr gut klebend, aber auch diese gab irgendwann auf.

Anschließend haben wir uns dann eine Halterung gebaut, um die Fläche um 180 Grad schwenken und auch senkrecht arretieren zur können.

Sämtliche Rückstände des Klebelacks, die noch auf dem Holz waren, mussten mittels Spezialreiniger unter Atemschutzmasken entfernt werden, damit das Holz ganz blank für die neu zu verklebende Bespannung ist.

Nun ging es an die Vorbereitungen für die neue Bespannung. Klassisch würde die Bespannung mittels Klebelack aufgeklebt und anschließend mit Spannlack gespannt und lackiert werden. Danach müsste die Bespannung auf der Fläche mittels Nadel und Faden mit den einzelnen Rippen vernäht werden.

Die Firma Lanitz hat ein System, bei dem wir uns die Arbeit mit Spannlack, Lack und vernähen sparen können. Bei diesem System ist die Bespannung bereits vorher Lackiert und wird dann direkt aufgebügelt und mittels Hitze gespannt. Um nach diesem System bespannen zu können, müssen wir auf die Rippen des Flügels speziellen „Aufleimer“ anbringen. Das komplette Material wurde zusammen mit der Anleitung von Lanitz bereitgestellt.

Als nächstes mussten wir die neuen Aufleimer imprägnieren. Bei der Gelegenheit haben wir auch direkt die Imprägnierung der vorhanden Holzteile erneuert.

In der Zwischenzeit erfolgte eine umfassende Überarbeitung zahlreicher Bauteile. Das Klappengestänge und die Knüppel wurden neu lackiert, am Hauptfahrwerk eine Rissprüfung durchgeführt und die Steuerseile teilweise ersetzt. Darüber hinaus wurden Polster, Verkleidungen und Sitze erneuert. Letztlich wurde kein Teil unverändert wieder eingebaut und somit wurden sämtliche Komponenten erneuert, neu lackiert, konserviert oder grundlegend überarbeitet.

Zu Weihnachten gab es neue Positionsleuchten für den Flieger. Im Zuge der Modernisierung, haben wir auch gleich neue LED-Leuchten installiert.

Das tolle ist, das man solche Änderungen vollkommen legal durchführen kann, für ganz vieles gibt es von der EASA sogenannte Standard Changes, wenn man sich an diese hält, ist vieles möglich.

Nachdem alle Unebenheiten mittels Spachtel und Schleifpapier glatt gemacht wurden, wurde Füller für eine bessere Oberfläche aufgetragen. An den Rudern haben wir den Füller gestrichen, auf den großen Fläche mittels Lackierpistole aufgetragen.

Als nächstes wurde der Füller geschliffen und für den Transport zum Flugwerk NRW nach Merlsheim vorbereitet. Dank vieler Helfer konnte der Flieger sicher auf einen Anhänger verladen werden. Nach ca. 40 Minuten fahrt ist der Flieger heile in Merlsheim angekommen und wurde in die dortige Werkstatt gestellt.

Am Montag ging es dann richtig los! Fred (ein Mitarbeiter von Lanitz) kam mit dem benötigten Material angefahren und schon ging es los. Es wurde Klebelack auf Wasserbasis gestrichen, somit diesmal auch ohne Maske und alles fürs Bespannen vorbereitet.

Danach ging es dann ans eigentliche Bespannen: Ausgerüstet mit Heißluftfön und Rakel wurden der Flügel, Rumpf und Ruder schneeweiß bespannt.

Anschließend wurde die gesamte Bespannung gebügelt, durch die Hitze reagiert der Kleber vollständig und die Bespannung wird straff gespannt.

Ebenfalls aus Oratex wurden am Ende noch farbliche Akzente gesetzt. Die Flügelnase wurde mit Elastiklack von Lanitz lackiert, ebenso Cowling, Verkleidungen und Landeklappen.

Schon am Donnerstagvormittag war alles fertig bespannt. Oratex ist ein wirklich tolles Material!

Danach wurde alles wieder nach Blomberg in unsere Vereinswerkstatt transportiert, dort ging es dann an die Montage. So wurden die Ruder, die Positionsleuchten, Fahrwerk, Scheinwerfer und so weiter, wieder an den Flügel gebaut, und das Kennzeichen aufgeklebt.

Am Rumpf konnte noch nicht viel gemacht werden, dafür benötigte es erst die Hochzeit, also die Montage vom Flügel unter dem Rumpf und den Einbau des Haupttanks, denn durch diesen läuft z.B. die komplette Steuerung am Heck. Also erfolgte wieder mit vereinten Kräften, dem Deckenkran und großer Vorsicht der Zusammenbau von Rumpf und Flügel.

Danach kamen dann Leitwerk und Motor dran, der Innenausbau, Kennzeichen und Dekorstreifen auf den Rumpf, Hoheitsflagge, die Hauben, Verkleidungen im Innenraum, Sitze, Gurte, Radverkleidungen…. also eine Menge Arbeit in der ungeheizten Halle.

Nach Wägung und der Abnahme durch den Prüfer und sehr viel Papier konnte dann endlich der Erstflug erfolgen!

Projektlaufzeit: November 2025 bis April 2026

Geleistete Stunden: 919

Teilnehmer: 18 w/m (22 Jahre bis 68 Jahre alt)

Erlernte Fähigkeiten:
Projektplanung, Holzflugzeugbau, Schäften, Leimen, Kleben, Bespannung mit Oratex, Motormontage, Restmomentwägung Ruder, Polsterarbeiten, Folieren, Lackieren, Flugzeug Wägung