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Airlebnisbericht - 546 km Dreicksflug


Von Cord Starke

18. April 2015. Das gute Wetter hatte sich schon lange angekündigt. Das gesamte Frühjahr war schon sehr trocken, was eine gute Thermikbildung begünstigt. Schon am Mittwoch meldete der OLC (www.onlinecontest.org) für das Wochenende beste Wetterbedingungen. Die Wettermail von Topmeteo bestätigte dies und wies den Samstag als den besten Tag des Wochenendes aus. Die Familie gab mir den Tag frei, der Schlepppilot (Danke Horst) wurde schon am Freitag bestellt und die Schleppmaschine im Online-Reservierungstool für 11 Uhr gebucht. 3 Starts und Landungen hatte ich bereits am Sonntag vorher absolviert, nebst 3 Stunden Thermik fliegen, der Übungsstand passte also auch.

Am Samstagmorgen gab es dann nach dem Aufrüsten der PIK 20 D, einem 15m Rennklasse Flugzeug von 1978, die Detailplanung. Es war Thermikbeginn 11 Uhr Ortszeit angesagt, 18 Uhr Ende. Die Tage sind noch kurz so früh im April. Ein kräftiger Nordost Wind sollte sich im Tagesverlauf abschwächen, zunächst aber noch für Aufreihungen (Thermikstraßen) sorgen. Die Überlegungen ein Dreieck über 600km auszuschreiben verwarf ich, lieber wollte ich zu Beginn der Saison eine vertraute Strecke fliegen und gab Blomberg-Ailertchen-Suhl-Blomberg in den GPS Datenlogger ein. Bewusst legte ich die erste Teilstrecke  von 168km Länge mit Rückenwind an. Dieser hilft bei den morgens noch niedrigen Wolkenuntergrenzen, zum anderen sollte sich die Thermik ja im Wind aufreihen. Der zweite Abschnitt Ailertchen-Suhl (196km Länge) ist dann quer zum Wind, der letzte  Abschnitt von Suhl zurück nach Blomberg (182km Länge) ist dann gegen den Wind, dieser sollte ja aber im Tagesverlauf nachlassen.

Der Schlepppilot war überpünktlich, ein Flächenläufer war auch schon da (Danke Jannis!), so ging es um 10:44 Ortszeit in die Luft. Wie auf dem Bild gut zu erkennen ist war die Thermik bereits voll entwickelt. Ich denke das ich auch eine halbe Stunde früher hätte Starten können. Die Untergrenze („Basis“) der Quellwolken lag bereits bei 900 bis 1000m über Grund, was schon recht komfortabel ist. In 600m höhe klinkte in das Schleppseil aus und stieg in der Thermik weiter bis zur Basis. Zügig flog ich dann ab in Richtung Süden, Kurs Ailertchen.

Am Ende des Eggegebirges

Am Ende des Eggegebirges

Unterstützt vom Rückenwind befand ich mich nach 5 Aufwinden schon am Ende des Eggegebirges wieder (In der kleinen Kartendarstellung sieht man dünn in rot die geplante Streckenführung, in blau den tatsächlichen Flugweg, der rote Marker ist die Position des Flugzeugs. Unter der Kartendarstellung ist dann noch das „Barogramm“, also der Höhenschrieb, orange die Flughöhe über dem grün dargestellten Gelände. Der dünne vertikale Strich zeigt die Position auf dem Barogramm an). Hier beginnt jetzt langsam der Einstieg ins höhere Gelände (Das Sauerland ist schon nahe). Die Wetteroptik voraus verspricht schon einiges, wenn es Momentan auch erst einmal nach unten geht.

Mit 3m/sek nach oben

Mit 3m/sek nach oben

10km weiter dann das erste richtig gute Steigen. Ein „3m Bart“, das heißt beim Kreisen stieg ich mit 3 (genauer 3,1) m pro Sekunde. Dieser Bart brachte mich auf 1450m Höhe, eine gute Ausgangsbasis um in das höhere Gelände des Sauerlandes ein zu fliegen.  Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnte: Das Sauerland stellte an diesem Tag überhaupt kein Problem dar. Dieser Bart sollte bis kurz vor Ailertchen der letzte gewesen sein den ich ausfliegen musste.

Anfang der Wolkenstraße

Anfang der Wolkenstraße

Von hier an ging es unter der lang gezogenen „Wolkenstraße“ direkt auf Kurs immer geradeaus. Im Mittel flog ich mit 140 km/h, bei stärkerem Steigen langsamer, Stieg es weniger oder gab es sogar Sinken flog ich schneller. Die PIK 20 D ist mit sogenannten „Wölbklappen“ oder „Flaperons“ ausgestattet. Diese erlauben es das Profil des Flügels im Flug zu verstellen. Wölblappen negativ – nach oben verstellt – verursachen beim schnellen Fliegen wenig Widerstand, will man langsam fliegen wird positiv – nach unten – gewölbt, dies liefert hohen Auftrieb und ermöglicht langsames fliegen im Aufwind. Eine feine Sache also.

Immer geradeaus

Immer geradeaus

So zogen mit negativen Wölbklappen Allendorf Eder zur linken, der Winterberg (noch Schnee auf den Pisten) zur rechten vorbei. Dann kam das Siegerland, Midfield crossing über den Flughafen. Das ganze fühlte sich fast an wie Motorfliegen, ohne Höhenverlust einfach geradeaus. Traumhaft! Langsam ging es dann wieder in flacheres Gelände. Dann nochmal ein bischen „Speed gemacht“ so das es sich kurz vor der Wende Ailertchen lohnte nach 92 km reiner Gleitstrecke wieder einen 3m Bart an zu nehmen. Gerade bei Rückenwind lohnt es sich vor dem Wendepunkt nochmal Thermik zu „kurbeln“ schließlich schiebt der Wind einen ja bei jedem Kreis noch in die gewünschte Richtung. Nach der Wende sieht dies sofort anders aus. Auch hat man bei Kreisen Zeit sich schon mal die Wetteroptik in Richtung der nächsten Wende an zu schauen. Die Wolken sehen aus der geänderten Blickrichtung ganz anders aus.

Kurz vor Ailertchen

Kurz vor Ailertchen

Ailertchen, Blickrichtung Suhl

Ailertchen, Blickrichtung Suhl

Nordöstlich Gießen

Nordöstlich Gießen

Lauterbach

Lauterbach

Nach der Wende hatte der Wind noch nicht sehr nachgelassen. Die Aufwinde standen immer noch in Reihen, nur jetzt quer zum Kurs. Dies ist gut an dem nun etwas zackigen Flugweg zu erkennen. Über flaches Gelände geht es trotzdem zügig voran, dank der immer noch sehr starke Aufwinde. An Gießen Vorbei ging es weiter in Richtung Fulda. Die Sicht war großartig, der Thüringer Wald und daneben die Rhön waren schon von hier zu erkennen.

Bei Fulda über A7

Bei Fulda über A7

Über Fulda angekommen dann der beste Bart des Tages mit deutlich über 4m/s katapultierte er die PIK 20 nach oben. Gut zu erkennen ist die Autobahn A7, welche hier überquert wird. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zum Thüringer Wald, an dessen Westhang die Stadt Suhl liegt. Über der Stadt, auf einer ehemaligen Müll-Deponie liegt der Flugplatz Suhl-Goldlauter.

Vorbei an Flugplatz Suhl

Vorbei an Flugplatz Suhl

Schon vor 15 Uhr in Suhl, das hatte ich noch nie geschafft. Im Mai/Juni, wenn die Tage lang sind schafft man es auch noch nach Blomberg wenn man erst um 17 Uhr in Suhl ist. Nun ja, heute ist auf dem Rückweg Gegenwind (der hat leider nicht in dem Maße abgenommen wie erhofft). Trotzdem geht es über dem Thüringer Wald zügig nach Norden voran. Die größte Höhe des Tages erreiche ich dann  über dem 753m hohen „Hohen Meißner“, östlich von Hessisch Lichtenau.

Über dem 'Hohen Meißner'

Über dem ‚Hohen Meißner‘

Von hier geht es dann entlang vom Kaufunger Wald Richtung Blomberg. Der Gegenwind fängt an mir ein wenig zu schaffen zu machen, die Steigwerte sind immer noch gut, aber beim Vorfliegen zur nächsten Quellwolke geht es oft mächtig nach unten. 3 bis 4 Meter „Saufen“ pro Sekunde waren keine Seltenheit. An Kassel vorbei (der „Flughafen“ Kassel-Calden zur Linken) geht’s über die Weser. Zweimal schon meldete der GPS Navi „Blomberg im Gleitbereich, Endanflug“. Doch durch das starke Saufen schmolz die Höhe schnell wieder unter Gleitpfad, bis ich mich nur noch 500m über Grund wieder fand. Ich hatte nicht vor jetzt, um vor 17 Uhr, nur 17 km vor Blomberg auf einem der zahlreichen Äcker zu landen! Kurz die Lage sondiert: zu meiner Linken war ein kleiner Berghang, so gedreht das die Sonne schon in den blätterlosen Wald schien, der Wind stand schön auf dem Hang. Darüber bildeten sich gerade ein paar Wolkenfetzen.  Also den Kurs verlassen, einen kurzen Schlenker zurück – das Steigen war gefunden, der Bart  zentriert.

Rettender Hang bei Bökendorf

Rettender Hang bei Bökendorf

Dieser brachte dann die Endanflughöhe bis Blomberg, so dass sich das Dreieck nach 546,2 km um 17:06 Uhr Ortszeit über Blomberg schloss. Es wäre an diesem Tag noch deutlich mehr drin gewesen, die Thermik hielt noch gute 1,5 Stunden an. Ich war dennoch hoch zufrieden über diesen erlebnisreichen Flug. Es folgte noch ein kurzer Ausflug nach Rinteln und zurück, welcher dann die 600km Strecke voll machte. Ein wunderbarer Saison Auftakt, der auf mehr hoffen lässt.

Zu den Flugdaten auf auf onlinecontest.org