Hörstmaraner baut eigenen Flieger

Lemgo-Hörstmar. Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Das singt Reinhard Mey, und Werner Brinkmeier denkt das auch. Der passionierte Pilot baut sich in Hörstmar seinen eigenen Flieger.

Die Garage ist voll. Voller Werkzeug, voller Baupläne (in englischer Sprache) und voller Leidenschaft und Euphorie. Polizist Werner Brinkmeier im Blaumann hat die Zange im Anschlag. Vor ihm auf dem großen Werkzeugtisch der untere Teil einer der knapp vier Meter langen Aluminium-Tragflächen, die am Ende die Spannweite des Flugzeuges von zehn Metern ausmachen.

Der 54-Jährige bekennt lächelnd: „Der eine baut sich sein Rennauto und ich mir eben meinen Flieger.“ Mit dem „Einen“ meint er den Engländer Peter Wakeham, der einen inzwischen fast startklaren und selbst geschraubten Rennwagen in der Garage stehen hat (die LZ berichtete). Der Lüerdisser und der Hörstmaraner kennen sich von der Rückenschule.

Verkehrsdezernent Brinkmeier greift mit ruhiger Hand zur nächsten Heftnadel, den so genannten Clecos, von denen Hunderte verarbeitet werden müssen, um die Tragfläche zunächst provisorisch zusammen zu setzen. „In der Endmontage werden die Clecos durch Nieten ersetzt“, weiß der Experte, der jetzt den Knopf des in der Garage befindlichen Radios betätigt. „Bei immer wiederkehrenden Arbeiten wird es manchmal hart, dranzubleiben. Das geht nur mit WDR 4, um die Nerven zu beruhigen.“

Auf den Nerven des 54-Jährigen scheint sich seit Anlieferung des 30 000 Teile zählenden Bausatzes mit der Nummer 813 (ohne Motor und Instrumente, versteht sich) so etwas wie Hornhaut gebildet zu haben. Alleine ein halbes Jahr hat er gebraucht, um die Inventarliste abzuarbeiten und nachzuschauen, ob in der fünf Meter langen und knapp zwei Meter hohen Bausatzkiste auch alles drin ist.

Er weiß: „80 Prozent aller bestellten Bausätze werden nicht vom Ersterwerber fertig gestellt. Unter 3000 Arbeitsstunden ist nichts zu machen, ich rechne eher mit 5000.“ Zu den Beweggründen, sich auf das Abenteuer Flugzeugbau einzulassen, meint er locker: „Mein inzwischen pensionierter Kollege Dirk Heuer hat sich bereits drei Flugzeuge gebaut. Das hat mich fasziniert und begeistert.“ Und was kostet der Spaß? „Ein Wohnmobil ist erheblich teurer. Wir sprechen bei diesem zweisitzigen Motorflugzeug eher über die Anschaffung ­eines Mittelklassewagens.“

Harte Geduldsproben und stoische Gelassenheit kennt der Beamte aber nicht nur aus den vielen Stunden in seiner Garage. Für den Traum des Fliegens und den dafür nötigen Flugschein investierte er gut 20 Jahre seines Lebens. Bereits als Junge begeistert sich der Vater von Zwillingen für den Modellbau. Mit seinem ersten Polizistengehalt wechselt der damals 17-Jährige zur „großen“ Fliegerei. Jedoch erst mit 35 erwirbt er die begehrte Pilotenlizenz. „Wir wollten erst heiraten und unser Traumfachwerkhaus renovieren. Da war nur wenig Zeit und Platz für anderes“, erinnert er sich.

So wenig Platz wie jetzt in seiner Garage, in der er mehr als die Hälfte der Teile verarbeitet hat, bevor er sich in rund drei Jahren zur Endmontage auf dem Flugplatz in Blomberg auf­machen will. Ehefrau Petra, die die Garage betritt, lacht: „Es macht ihm Spaß und Freude. Das zählt.“ Der leidenschaftliche Pilot legt die Zange aus der Hand, dreht das Radio ab und verrät am Ende seinen Plan vom grenzenlosen Glück: „Mit meiner Frau in diesem Flieger über die Alpen bei schönem Wetter zu fliegen.“

Quelle: http://www.lz-online.de/lokales/lemgo/4289291_Hoerstmaraner_baut_eigenen_Flieger.html

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